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Nicht windelfrei

sondern „Elimination communication“ – das englische Wort hört sich irgendwie besser an als Ausscheidungskommunikation.

Nachdem unser Kind 3 geboren ist, habe ich gedacht, jetzt kann ich nochmal das Thema „windelfrei“ in Verbindung mit Stoffwindeln umsetzen. Doch so ganz konnte ich mir das nicht vorstellen, wie das klappen soll – ich hab ja schließlich noch 2 große Kinder und gerade Neugeborene lassen ja oft einfach laufen nach oder während dem Stillen. Wie soll das da klappen mit windelfrei? Das wurde mir nicht ganz klar.

Wir haben also erstmal mit Wegwerfwindeln gewickelt (umwelttechnisch eine Katastrophe für mich) und ich habe mich mit Stoffwindeln beschäftigt und ein Paket gekauft. Aber irgendwie war es doch nicht so wirklich das Richtige, denn ich hatte irgendwie zu wenig davon und es hat mich unter Druck gesetzt, dann so oft waschen zu müssen und das kurz bevor keine mehr da sind, sie aber noch rechtzeitig trocknen und wieder einsatzfähig sind.

Ich hatte aber schon von Anfang an ein gutes Gespür dafür, wann er mal muss und zwar sowohl Pipi als auch Kaka. Ihn über die Toilette abzuhalten war mir zu anstrengend in gebückter Haltung zu stehen oder mich selbst auf den Boden zu knien. Wir hatten den Wickelaufsatz auf der Badewanne, Waschbecken direkt nebenan in angenehmer Höhe. Was könnte also näher liegen als das? Und der reine Muttermilchstuhl kann auch nicht wirklich zu Verstopfungen führen, sodass es kein Problem für das Waschbecken ist. Ich schaffte es auf diesem Wege durch das reine Gespür, ihn häufig abzuhalten. Ich verband es immer mit den Wörtern „Pipi“ und „Kaka“ sowie beim großen Geschäft mit „feste drücken“, weil er es dann irgendwann damit in Verbindung bringt und wenn er sprechen kann, sich selbst mit den gleichen Worten äußert und wir dann entsprechend reagieren können.

Anfangs klappte es nur bei mir, aber inzwischen kann der Papa ihn auch mit den gleichen Worten begleiten. Seit mindestens 4 Monaten ging kein großes Geschäft mehr in die Windel, was dafür sorgt, dass wir viel weniger Windeln benötigen – vielleicht so 2 – 3 pro Tag statt wie sonst vielleicht 8. Selbst bei Pipi klappt es schon oft, dass ich ihn abhalte und er nicht in die Windel macht. Manchmal ist über Nacht die Windel trocken und wartet, bis dass endlich die Windel aus ist. Erstaunlich und ich bin sehr begeistert. Eine Bekannte sagte mir mal, dass kein Baby von Natur aus in die Windel machen möchte. Und sie hat Recht – unser Sohn möchte es nicht, er hat von Anfang an gezeigt, wenn er muss und er fordert das Abhalten ein. Seitdem er Beikost bekommt, ist es natürlich nicht mehr einfach ins Waschbecken sondern wir haben dafür eine Schüssel zweckentfremdet, die wir dann nachher in die Toilette entleeren. Das ist rückenschonender, als ihn über die Toilette zu halten. Und wenn beim Waschbecken mal Pipi daneben geht, muss ich nicht erst – wie bei der Toilette – den Boden wischen, sondern es geht dann schlimmstenfalls ins Waschbecken. Jungs pieseln ja bekanntlich in alle Richtungen, nur nicht geradeaus. 😀 Das kenne ich bisher nicht von meinen beiden Mädels.

Eine lustige Situation möchte ich Euch nicht vorenthalten: der Diakon war hier zum Taufgespräch und unser Sohn hat geschlafen währenddessen. Als der Diakon sich wieder verabschiedete, wurde das Baby wach und der Diakon sagte: „Oh, er ist ja mit seinen 3 Monaten schon ganz aufmerksam“. Und meine Tochter antwortete: „Ja, und er kann sogar schon ins Waschbecken kacken“. Mir war’s etwas peinlich, aber rückblickend betrachtet war es doch zum Lachen.

Fazit: Stoffwindeln sind nix für uns, aber wir sparen durch diese Kommunikation und Erkennen des Bedürfnisses sehr viele Windeln und damit Müll.

Bild von PublicDomainPictures auf Pixabay

Ich kann alle Eltern, die sich dafür interessieren, nur motivieren, den Mut zu haben, es mal auszuprobieren und die Aufmerksamkeit, zu spüren, wann das Baby mal muss. Viel Erfolg dabei.

Liebe Grüße

Renate

Regeln – in der Familie und im späteren Leben

Erziehungsstile sind vielfältig. Und je mehr Internetseiten oder Bücher man sich anschaut, umso vielfältiger sind die Empfehlungen, Tipps und Ratschläge, die man bekommt.

Von Anfang an habe ich immer darauf geschaut, was das Baby gerade braucht. Es zerbrach mir das Herz, wenn sie weinten und nahm sie sofort auf den Arm. Auch wenn ich sie manchmal nicht beruhigen konnte, weil ich keine Ahnung hatte, was es hat, so war ich doch da, habe ausgehalten, begleitet, überlegt, was es vielleicht doch sein könnte, nach ein paar Minuten nochmal etwas zu trinken oder zu essen angeboten, Bauch massiert und einfach alles versucht. Stillen hat oft geholfen, weil sie sich unsicher fühlten, selbst nicht wussten, was mit ihnen los war, weil sie wuchsen, wieder etwas neues konnten, Zähne einschießen oder durchkommen, zu viele Reize erlebt oder was auch immer. . . Das Stillen hat ihnen das Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit und Nähe-Erfüllung gegeben, neben Nahrung, natürlich.

Inzwischen sind meine Mädels schon älter und die Bedürfnisse können sie meistens sehr gut äußern. Ab dem Zeitpunkt, ab dem sie probierten, ihre und unsere Grenzen zu testen und auszuweiten, habe ich auch verschiedenes ausprobiert, weil ich immer wieder den Eindruck hatte, dass nichts so richtig funktioniert. Das Zähneputzen wurde auf einmal in Frage gestellt, Süßigkeiten vor dem Fernsehen wurden jeden Tag gefordert, weil sie Ausnahmen nicht als Ausnahme verstanden, sondern es einfach jeden Tag eine Ausnahme sein sollte.

Mein Mann sagt „da waren wir wohl zu wenig konsequent, wenn es jeden Tag um die einfachsten Banalitäten Diskussionen gibt“. Ich sehe das anders, denn ich muss sagen, dass alles steht und fällt mit meiner Stimmung – hört sich jetzt irgendwie blöd an, ist aber genau so. Wenn ich den Eindruck habe, ich habe den Tag im Griff und bekomme das alles schon irgendwie hin, weil meine Gedanken und die Aufgaben, die heute anstehen, sortiert sind, dann ist es ein guter Tag. Wenn der Tag allerdings schon chaotisch beginnt, weil ich irgendwas vergessen habe oder jemand anruft und ganz dringend etwas getan werden muss, dann geht es Drunter und Drüber.

Aber berichte ich mal von einem guten Tag: – ich habe es geschafft, morgens vor den Mädels aufzustehen, mich und das Baby fertig zu machen und schon den Tisch zu decken – also mit anderen Worten, ich bin präsent, wenn sie aufwachen, dann setzen sie sich an den Tisch, essen und putzen dann halbwegs freiwillig die Zähne bzw. brauchen nur eine oder zwei Erinnerungen. Dann ist Homeschooling angesagt – zumindest bis letzte Woche war das so – und wenn ich auch die Kleine mit Aufgaben beschäftige und sie beide am Tisch bei mir sitzen, funktioniert es richtig gut. Zwischendurch Pausen ankündigen, in denen sie machen können, was sie möchten und anschließend wieder gemeinsam weitermachen, das klappt sehr gut. Mittagessen, dann wieder Zähne putzen, eventuell noch die eine oder andere Aufgabe erledigen, die morgens nicht geschafft wurde und dann entweder zusammen spielen oder rausgehen, so läuft der Tag ab.

Aber wenn ich irgendwie durchgehend abgelenkt bin, telefoniere oder das Baby mies drauf ist, dann klappt es nicht so gut, denn dann haben sie eben nicht meine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Dieses Verhalten finde ich völlig verständlich, normal und keineswegs auffällig, denn wer ist mit 6 oder 8 Jahren schon in der Lage, sich selbst durchgehend zu motivieren, konzentrieren und die Aufgaben zu erledigen, ohne sich von den Geschwistern oder Spielzeugen ablenken zu lassen? Das habe selbst ich nicht geschafft, als ich mal ein Fernstudium angefangen habe.

Ich bin nicht besonders gut im streng (oder mein Mann würde jetzt sagen konsequent) sein. Eher gebe ich öfter mal nach und das kommt mir jetzt immer öfter entgegen und ärgert mich. Aber nur in der Situation. Wenn ich dann danach drüber nachdenke, dann relativiere ich und weiß, dass sie gut in der Lage sind, Regeln einzuhalten und das, was wir als Regeln definiert haben, einzuhalten. Und ihre Aufgabe als Kinder ist es nun mal, regelmäßig Grenzen zu testen und auszuprobieren, ob sie nicht doch jetzt etwas dürfen, was vorher nicht erlaubt war. So sagte es auch die Leiterin vom Kurs „Starke Eltern – starke Kinder“, dass genau das die Aufgabe der Kinder ist und dass es völlig normal ist, dass sie diese Grenzen immer wieder in Frage stellen und ausweiten wollen.

Und ich glaube, damit haben sie eine ganz wichtige Eigenschaft, die sie auch später im Leben beibehalten sollten – finde ich zumindest. Nicht ohne Nachdenken und Hinterfragen Regeln anzunehmen sondern in Frage stellen, ob es noch Gültigkeit hat und auch jetzt noch sinnvoll ist. Zeiten ändern sich und so müssen diese Regularien auch an die geänderten Zeiten angepasst werden. Davon profitieren doch auch wir, dass es immer wieder Neues gibt.

Ich habe diese Eigenschaft auch und bin ganz bestimmt vielen meiner Chefs und Kolleginnen / Kollegen sowie auch Ansprechpartnern auf vielen Gebieten gehörig auf die Nerven gegangen. Aber auf der anderen Seite habe ich dadurch auch viele Prozesse überarbeitet, erneuert und nicht mehr sinnvolle Regularien zum Überarbeiten angeregt, wodurch sich manches verbessert hat. Bestimmt denkt man in der einen oder anderen Abteilung noch an mich zurück, weil ich veraltete Strukturen dadurch aufgebrochen habe, die schon lange nicht mehr zeitgemäß waren. Und die, die davon genervt waren, weil sie wollten, dass sich am Besten nichts verändert, die sollen doch gerne weiter in ihrem Brei schwimmen und an den veralteten Sachen festhalten. Solch ein Verhalten ist meiner Meinung nach alles andere als zeitgemäß. Und das hat uns auch vor allem Corona gezeigt. Immer wieder musste man sich anpassen an geänderte Bedingungen und daraus sind richtig viele tolle Ideen und Angebote entstanden, Ohne Kreativität und Menschen, die vorherige Regeln in Frage stellen, wäre das niemals entstanden. Und das ist doch was Gutes, oder?

Ich bin jedenfalls sehr stolz, dass die Kinder diese Eigenschaft schon jetzt übernommen haben und wünsche ihnen und mir, dass sie damit an die passenden Leute geraten, die es zu schätzen wissen, keine Mitläufer vor sich zu haben sondern welche, die den Mut haben, Dinge anzusprechen und wenn nötig, zu verändern. Wenn ich ihnen diese Eigenschaft für ihr Leben wünsche, sie beizubehalten, dann darf ich mich ganz bestimmt nicht darüber aufregen als Mutter, auch wenn es anstrengend ist. Sie sollen ja mir gegenüber auch oder gerade mir gegenüber den Mut haben, das zu verändern, was nicht sinnvoll erscheint. Und wenn es verstanden wird, warum etwas sinnvoll ist, dann nehmen sie es hin als gesetzt. Es zu erklären oder aufzuweichen, weil es eben nicht sinnvoll ist, das ist meine Aufgabe. . . Manchmal scheitere ich daran und manchmal wachse ich daran – zusammen mit meinen Kindern!

Liebe Grüße

Renate

Geburt – jetzt aber wirklich die letzte

Letztes Jahr durfte / musste ich dann meine letzte Geburt erleben und während der Schwangerschaft hatte ich ganz unterschiedliche Gedanken.

Ich habe es quasi direkt gemerkt, also wirklich direkt danach, dass da was anders ist, also vor der Einnistung vor der überfälligen Periode. Klingt komisch, ist aber so. Ich hatte es schon zweimal hinter mir, aber nie so sehr gespürt.

Zwei Wochen später hab ich dann einen Test gemacht und er war positiv. Ich hab dann direkt beim Frauenarzt angerufen und mir einen Termin gemacht und mich ehrlich gesagt total gefreut, dass ich nun doch noch ein Kind bekomme. Und mein Gefühl sagte von Anfang an: dieses Mal ist es ein Junge.

Witzigerweise haben sogar meine Mädels von Anfang an gemerkt, dass da irgendwas anders ist mit Mama, denn sie haben auf einmal intuitiv angefangen Baby zu spielen und haben auf dem Spielplatz einem kleinen Jungen das Rutschen beigebracht.

Mein Mann war erst nicht so begeistert, als ich es ihm erzählte, aber kurze Zeit später – als wir das Organisatorische (größeres Auto, Finanzen während der Elternzeit, größeres Haus) geklärt hatten, freute er sich.

Während der Schwangerschaft schwankten meine Gefühle immer wieder von „Hurra, noch einmal schwanger sein“ bis „Oh nein, wie soll ich das schaffen, allen gerecht zu werden?“

Als es dann auf den Geburtstermin zuging, wurde ich ruhiger und wusste, dass es schon irgendwie klappen wird, obwohl ich vor der Geburt schon ziemlich Respekt hatte, weil ich vor allem Angst hatte, dass es vielleicht wieder zu spät für die PDA sein könnte oder – ob ich es überhaupt ins Krankenhaus schaffe. Ich hatte auch schon öfter von der Geburt der Dritten gehört, die ziemlich schnell ging und zu Hause oder auf dem Weg dahin geschah.

Knapp zwei Wochen vor dem errechneten Termin hatte ich ein minimal leichtes Ziehen auf dem Weg zur Schule und zum Kindergarten. Der Mann fragte morgens schon, ob er besser hier bleiben soll, aber man wusste ja nicht, wie lange es dauert und ob es wirklich Anzeichen waren oder Übungswehen. Er fuhr also erstmal los und ich setzte mich auf’s Sofa aber es war irgendwie unangenehmer und nach 2,5 Stunden war für mich absehbar, dass es wohl doch echte Anzeichen sind. Mein Mann wurde dann ziemlich nervös, als ich ihn anrief und meinte, ich soll den Krankenwagen rufen. Aber ich packte dann in Ruhe meine Tasche und ging zum Taxi, das mich ins Krankenhaus brachte. Mein Mann machte sich zeitgleich auf den Weg zum Kindergarten und zur Schule, um die großen Schwestern abzuholen.

Die Schmerzen waren schon etwas heftiger, aber vor dem Fahrer konnte ich es doch ziemlich gut verstecken. Als ich dann ankam, bat ich um etwas gegen Schmerzen und natürlich musste ich erstmal 30 Minuten CTG abwarten. Die Hebamme tastete den Muttermund ab und es waren erst 3 cm. Ich war enttäuscht, weil ich eigentlich dachte, es ist schon weiter und ich muss nicht mehr lange aushalten. So entstand dann im Kopf schon die Befürchtung, dass es sich noch ziehen wird und die Wehen nicht Muttermund öffnend sind. Ich informierte trotzdem, dass ich eine ambulante Geburt plane und nicht über Nacht bleiben möchte. Sie empfohlen mir dann, dass ich noch etwas im Park spazieren gehe, aber eben in der Nähe bleibe. Ich wäre jedoch gerne nach Hause gegangen, weil wir gar nicht weit vom Klinikum weg wohnen. Da ich auch gerne etwas gegen Schmerzen gehabt hätte, empfohlen sie mir zunächst ein Zäpfchen, aber dann gaben sie mir doch etwas über die Vene und ich musste in der Nähe bleiben.

Trotz der geplanten ambulanten Geburt mussten sie mich stationär aufnehmen, weil ich nicht die „ganze Zeit“ im Kreißsaal bleiben kann, sagte sie. Und deshalb musste ich dann erst noch einen Corona-Test machen. Das und die Ultraschall-Untersuchung ließ ich über mich ergehen und ging dann mit meiner Tasche zum Zimmer. Ein sehr freundlicher Pfleger deckte das Bett ab und mir war eher nach Hinlegen als spazieren gehen. Die Wehen waren immer heftiger, aber ich versuchte tapfer zu sein. Der Pfleger schlug vor, noch einmal zu fragen wegen etwas gegen Schmerzen für mich – dann kam aber schon wieder eine Wehe – und ….. patsch! Es fühlte sich auf einmal alles ganz warm um mich herum an und er musste glaube ich nicht mehr fragen wegen Schmerzmittel. Ich sagte ihm, dass es nicht mehr nötig ist und er mich am Besten jetzt mit dem Bett runter zum Kreißsaal bringt. So war es abgesprochen! Es tat mir echt leid um das Bett, in dem ich nicht mal 30 Minuten gelegen hatte. Der Pfleger sagte: „Gar nicht schlimm“ und beruhigte mich dadurch zumindest etwas.

Unten angekommen wieder CTG und Muttermund abtasten, und – hurra – er war fast vollständig geöffnet, aber leider . . . wieder zu spät für PDA. Nun ja, es war absehbar, dass ich es in weniger als 1 Stunde geschafft habe. Also atmen und durch. Über Whatsapp hielt ich meinen Mann auf dem Laufenden, der zwischenzeitlich Mittagessen für die Mädels gemacht hatte und sie informiert hatte. Selbst die Freundin in der Schule fragte direkt, als er den Papa beim Abholen sah: „Kommt das Baby?“ Ich kam mir vor der Hebamme ziemlich wehleidig vor und sagte ihr das auch immer wieder. Ich jammerte gefühlt deutlich mehr als bei der letzten Geburt und es tat auch viel mehr weh. Aber ich denke, das hat auch mit der Situation zu tun, dass ich eigentlich beim letzten Mal wusste, dass es die letzte Geburt ist, aber ich jetzt doch nochmal eine durchstehen musste. Wenn ich jetzt schreibe „Wenn man etwas nicht möchte, dann ist es umso unangenehmer“ dann fühle ich mich gleichzeitig schlecht gegenüber meinem Sohn, dass ich überhaupt diese Gefühle hatte.

Immer wieder sagten mir andere Mamas, der Frauenarzt, die Hebamme, dass spätestens wenn er geboren ist, alle Zweifel vergessen sind und ich mich ganz bestimmt freuen werde. Ich konnte das selbst während den Presswehen noch nicht spüren und nicht glauben, dass es so sein wird. Als die Hebamme dann aber sagte: „Noch einmal, dann ist das Köpfchen da“ und dann ein paar Wehen später nach den Worten „Möchten Sie die Nabelschnur selbst durchschneiden?“ das süße warme Baby auf meiner Brust lag, war ich total glücklich und alle Zweifel waren tatsächlich vergessen.

Mein Baby und ich – ganz alleine. Die Hebamme machte ein Foto, das ich an den Papa schickte und die Mädels haben eine Sprachnachricht aufgenommen und fragten als Erstes: „Ist er hübsch?“ Ich musste schmunzeln, konnte ohne zu zögern mit „Ja“ antworten.

Wir mussten dann noch 4 Stunden bleiben, bis die Geburtsverletzung genäht wurde, wieder unter lokaler Betäubung wie bei der letzten Geburt auch und bis dass er untersucht wurde. Dann hatten wir noch viel Wartezeit bzw. Zeit nur zu zweit, bevor uns der Alltag wieder hat. Papa und die beiden Mädels haben uns abgeholt und ich war echt froh, nach Hause zu können, auch wenn es vielleicht etwas anstrengender ist. In Corona-Zeiten wollte ich nicht länger als nötig im Krankenhaus bleiben. Und Geschwisterbesuch war nicht erlaubt auf der Station, nur der Papa hätte kommen dürfen. Es war mir aber auch wichtig, dass die Schwestern ihren Bruder auch schnell begrüßen können. Also ab nach Hause! Es war alles vorbereitet und ich hatte vor der Geburt einiges vorgekocht und eingefroren, sodass wir damit schon mal nicht viel Aufwand hatten. Und schön war auch, dass das Wochenende noch vor uns lag, sodass die Mädels auch 2 ganze Tage mit ihm genießen konnten, bevor sie wieder in Schule und Kindergarten gingen. Es war also genauso, wie ich mir gewünscht habe. So habe ich dann auch einmal eine ambulante Geburt erlebt – und zwar dieses Mal wirklich die Letzte! 🙂

Liebe Grüße

Renate

Geburt – vor 6 Jahren

Nicht mehr lange – dann hat meine mittlere Tochter Geburtstag, sie wird 6. Wo ist die Zeit geblieben? Sie wird 6, unglaublich.

Vor 6 Jahren war ich in den letzten Zügen der Schwangerschaft. Bis dahin hatte ich ja nur eine Geburt mit Einleitung hinter mir, das heißt, ich wusste gar nicht, wie es ist, wenn es losgeht – so ganz von alleine. Der ausgerechnete Termin war für den 2. Mai.

Da der 1. Mai ein Feiertag und ein Samstag war, sagte der Frauenarzt mir beim letzten Termin donnerstags davor, dass ich freitags auf jeden Fall nochmal in die Geburtsklinik gehen solle zum CTG. Da sich die Großeltern für den 1. Mai angekündigt hatten, habe ich mittags nochmal die ganze Wohnung geputzt und auf Vordermann gebracht. Dann bin ich mit meiner großen Tochter, damals 2 Jahre und 3 Monate, losgefahren, habe sie zur Tagesmutter gebracht mit den Worten „ich hol Dich gleich wieder ab“ und ging dann ins Klinikum zum CTG. Es war heiß, es war voll dort und ich musste ziemlich lange warten. Als ich dann dran war, wurde mir Blutdruck gemessen und dieser war – zu hoch! Ich sagte, dass es ja warm war und kein Wunder, dass der Blutdruck dann hoch ist. Sie haben immer wieder gemessen, aber er ging nicht runter, obwohl sie mich 15 Minuten in einen kühlen Raum legten usw. Wir haben wirklich alles versucht, dass er nicht so hoch angezeigt wird. Dann kam noch der Arzt und schaute nach dem Muttermund: fest geschlossen, keine Anzeichen einer Geburt. Über das Wochenende wird sich da bestimmt nix tun, sagte er. Aber dennoch mussten sie mich stationär aufnehmen wegen dem Blutdruck. Ich erzählte, dass ich meiner Tochter gesagt hatte, dass ich sie wieder abholen werde und auch der Papa noch nicht da ist von der Arbeit, um sie abzuholen. Er stand im Stau. Ich entschied, auf eigene Verantwortung zu gehen, also nur noch die Aufklärung und Unterschrift. Dann kam mein Mann und war richtig sauer, dass ich auf eigene Verantwortung gehen wollte. Ich rechtfertigte, dass wir ja nah am Klinikum wohnen und im Notfall schnell da sind und dass ich meinen Körper gut kenne und schnell merken werde, wenn irgendetwas nicht stimmt. Ich unterschrieb und ging und holte dann die Tochter ab. Als wir nach Hause kamen, aßen wir zu Abend und ich brachte die Große ins Bett. Mein Mann meinte dann: „sollen wir auch ins Bett gehen?“. Ich konnte allerdings nicht liegen, weil da irgendein Ziehen in meinem Unterleib war. Er ging also ins Bett und ich ging spazieren, immer vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer und zurück, so ungefähr 3 Stunden. So um kurz nach Mitternacht meinte mein Mann, dass das jetzt schon ziemlich kurze Abstände sind und wir wohl besser mal fahren. Ich war dagegen, wollte die Tochter nicht wecken und hatte die Worte im Kopf, dass der Arzt meinte, da tut sich jetzt über’s Wochenende bestimmt nix mehr. Also spazierte ich fleißig weiter. Eine Stunde später schaffte ich es aber schon nicht mehr vom Schlafzimmer bis zum Wohnzimmer, sondern machte zwischendurch im Flur eine Atempause. Das war der Zeitpunkt, an dem mein Mann einfach entschied, das Auto zu holen und loszufahren, die Tochter zu wecken und ins Krankenhaus zu fahren. Ich fand das nicht schlecht, denn ich wollte dann auch gerne was gegen Schmerzen haben.

Also holte er die Tochter einfach aus dem Bett, so wie sie da war, setzte sie ins Auto, ich packte die restlichen Sachen zusammen und ging zum Auto. Als wir im Klinikum ankamen, nahm er die Tochter auf den Arm und ich die Tasche. Dummerweise hatte er ihr keine Schuhe angezogen, also musste sie auf den Arm. Die Tagesmutter wohnte auch ganz in der Nähe vom Klinikum, wir hatten ihr dann mal geschrieben, dass wir uns jetzt auf den Weg machten zum Klinikum. Das war um 1 Uhr. Sie hat uns zugesagt, dass wir uns Tag und Nacht melden können, wenn die Geburt losgeht, damit sie dann auf die Große aufpassen kann in der Zeit. Gold wert, wenn man keine Verwandten in der Nähe hat. Dafür sind wir sehr dankbar. Wir nahmen die Tochter aber erstmal mit ins Klinikum, denn ich war immernoch überzeugt, dass sich da noch nicht viel tut, wegen den Worten vom Arzt, dass da über’s Wochenende nix passiert.

Im Kreißsaal angekommen sagte ich: ich möchte jetzt gerne was gegen Schmerzen haben. „Erstmal 30 Minuten CTG“ sagten sie. Ok, dann halt tapfer sein, weiter atmen und schauen. Allerdings hielt ich es dann nicht mehr aus und schickte meinen Mann raus, mir bitte etwas gegen Schmerzen zu besorgen. Die Hebamme kam dann, um nach dem Muttermund zu schauen und fragte meinen Mann dann ziemlich überstürzt, wie lange er braucht, um die Tochter wegzubringen. Ein Glück, dass die Tagesmutter so nah am Klinikum wohnt. Dumm nur, dass die Tochter keine Schuhe an hatte. Also einen kleinen Umweg zu uns nach Hause, die Schuhe zu holen. Dann ging alles ziemlich schnell. Mein Mann war unterwegs und die Hebamme sagte, dass es jetzt leider zu spät ist, um etwas gegen Schmerzen zu bekommen, aber dass es nicht mehr lange dauert.

Sie informierte die Ärzte und die Kinderärztin und beruhigte mich, dass es nicht mehr viele Wehen sind, bis sie da ist. Als mein Mann dann wieder kam, lag das Baby schon auf meinem Bauch. Er staunte nicht schlecht, aber zumindest hatte ich es dann doch schnell überstanden. Ich war also nur insgesamt 25 Minuten im Klinikum für die Geburt.

Gott sei Dank hat mein Mann einfach entschieden, jetzt loszufahren, sonst hätten wir wohl unerwartet eine Hausgeburt gehabt.

Aufgrund der Geburtsverletztung (3. Grades) konnte ich dann leider nicht wie geplant direkt nach Hause, sondern musste 3 bzw. eigentlich 5 Tage bleiben, aber nach 3 Tagen konnte das Antibiotikum von Infusion auf Tabletten umgestellt werden. Die große Tochter und der Papa kamen mich tagsüber immer besuchen und sind nachts nach Hause gefahren. Die Große hat natürlich beim Abschied geweint, was mir das Herz zerbrach, aber die Beiden haben das sehr gut gemeistert.

Sie war eine sehr stolze große Schwester

Ich war sehr froh, dann nach Hause zu kommen. Die Hebamme hätte ich ehrlich gesagt dieses Mal so gar nicht gebraucht, denn wir waren ja schon erfahren und sie hat mir nicht wirklich einen Mehrwert gebracht. So haben wir nett Kaffee zusammen getrunken und uns unterhalten und schon nach wenigen Treffen haben wir uns verabschiedet.

Ich wusste, dass dieses die letzte Geburt war – also konnte ich es auch jetzt abschließen und ich war froh, dass ich solche Schmerzen nie wieder erleben muss. Denn diese Geburt war schon ziemlich schmerzhaft und heftig, denn ich konnte ja dieses Mal kein Schmerzmittel und keine PDA bekommen. . . alles zu spät! 🙂

Fortsetzung folgt. . . denn ich hatte nicht Recht – ich musste das Ganze dann doch noch einmal durchstehen! 🙂

Liebe Grüße

Renate

Geburt vor 8 Jahren

„Wann bist Du denn ausgerechnet?“ wurde ich ständig gefragt und es war genau für Valentinstag, den 14. Februar 2013 errechnet. Bis dahin hatte ich noch eine Menge zu tun – nein, nicht die Tasche packen oder das Babybett aufbauen oder Kleidung kaufen, das war alles fertig. Ich war ehrenamtlich in der Firmvorbereitung mit dabei und genau für den errechneten Geburtstermin war auch der große Tag für „meine Firmlinge“ geplant. Trotzdem ließ ich es mir nicht nehmen, mit richtig großem Bauch bis zur letzten Gelegenheit die Firmvorbereitung mit zu begleiten. Ich finde es bemerkenswert, wenn junge Leute sich freiwillig mit dem Glauben beschäftigen und dann mit einem tiefen und bestärkten JA das bestätigen, das die Eltern in der Taufe begonnen haben. Das hat großen Respekt und bestärkende Begleitung verdient.

Am 5. Februar hatte ich vormittags den regulär anstehenden Termin beim besten Frauenarzt der Welt Uwe Laqua aus Leverkusen. CTG – Ultraschall – alles normal. Allerdings hatte ich etwas Komisches zu berichten, denn am Sonntag vorher (meinem gedanklichen Geburtstermin, der mir immer im Kopf herumgeisterte) waren wir mit Freunden essen, haben geplaudert, gescherzt, dass das Baby hoffentlich nicht im Restaurant zur Welt kommt und hatten einen wunderbaren Abend. Als ich danach nach 4 Stunden (so lange hatte ich es das letzte Mal vor 9 Monaten ausgehalten) auf Toilette ging, dachte ich, ich hätte zu viel gelacht und wäre nicht ganz dicht. Das geschah an den beiden darauf folgenden Tagen immer wieder. Das erzählte ich dann meinem Frauenarzt und sagte, dass ich schon inkontinent bin. Er machte dann einen Test und stellte fest, dass es Fruchtwasser war. Schock! Was heißt das jetzt für mich und mein Baby?

Mit seiner gelassenen Art beruhigte er mich und meinte, dass ich in den nächsten 4 Stunden ins Klinikum gehen solle und dort alles weitere erfolgt, denn die Fruchtblase ist offen und ich verliere Fruchtwasser – das muss kontrolliert werden. Er hat mich nicht beunruhigt, aber ich weinte trotzdem und rief direkt meinen Mann an, dass ich gleich ins Klinikum soll. Er brach also seinen Kundeneinsatz ab, kam nach Hause und wir überlegten, was wir nun noch erledigen müssen. Ich habe dann die übrigen Dinge gepackt und nochmal geduscht – er ist dann (haltet Euch fest!) noch schnell zum Friseur gegangen, denn wir mussten ja erst in 4 Stunden da sein.

Freundlich aufgenommen im Klinikum wurde dann natürlich erstmal wieder CTG geschrieben, Corona-Test gemacht 😀 (nein, natürlich nicht – da war noch alles normal und an so einen Mist nicht zu denken) und wir bekamen einen Schrank zugewiesen, in den wir unsere Tasche einschließen konnten. Es war vor allem mit viel Wartezeit verbunden. Ich bekam um 15 Uhr eine Test-Tablette zur Einleitung, nachdem ich den ganzen Papierkram erledigt habe (Cytotec – ein Mittel zur Anregung der Darmtätigkeit erzielt gute Erfolge bei der Einleitung einer Geburt, wurde mir gesagt. Ich unterschrieb – ich hatte großes Vertrauen auf die Kompetenz und fühlte mich gut aufgehoben). Nach der Test-Tablette nach 1, 2 und 4 Stunden CTG – kein Unterschied. Also bekamen wir unser Zimmer, denn wir hatten ein Familienzimmer angemeldet ab Geburt. Diese Information war nur irgendwie bei der Stationsschwester nicht angekommen, denn wir bekamen ab sofort ein Familienzimmer. Die Pflegerin erklärte mir, dass das allerdings bei Einleitung dauern kann bis zur Geburt, aber sie hatte auch keine Lust, mich am Abend um 20 Uhr nochmal umzuziehen und so sagte Sie: „Dann müssen Sie morgen Ihr Kind bekommen, sonst ziehen Sie noch um“. Ich meinte, dass ich das hinkriege ohne zu wissen, was auf mich zukommt. Abendessen war auf Station schon durch, also gingen wir Pizza essen, denn das Bistro im Krankenhaus war wegen Überfüllung geschlossen – da war eine bekannte Leverkusener Großfamilie und machte sich breit, sodass alle Türen verschlossen wurden, da sie unberechenbar sind.

Nach unserer Rückkehr wieder CTG, alles unverändert und die liebe Hebamme sagte, dass heute nichts mehr passiert, weil es Nacht ist und ich lieber schlafen soll. Äh, wie bitte? Schlafen? Wenn ich weiß, dass ich morgen eingeleitet werden soll? Da kennt sie mich schlecht und ich widerspreche. Schlafen kann ich doch eh nicht, also können wir nicht jetzt die nächste Tablette zur Einleitung nehmen? Dann geht es wenigstens weiter und ich halte mein Baby schneller in den Armen.

Ich habe im Kreißsaal immer wieder Frauen richtig schreien hören und dachte bei mir: „Wie schlimm müssen die Schmerzen sein, bis dass ich schreie? Ich kann Schmerzen eigentlich gut aushalten und bin bekannt dafür, es pragmatisch und zielorientiert über mich ergehen zu lassen. Wird schon klappen“ Erst später erfuhr ich, dass manche umso mehr Geschenke bekommen, je lauter sie die Angehörigen schreien hören. Das erklärt einiges und ich hatte noch mehr Gelassenheit, denn übertreiben würde ich auf keinen Fall.

Die Hebamme willigte also ein und ich bekam um 22 Uhr die erste richtige Dosis Cytotec und mein Mann verabschiedete sich nach Hause. Er konnte mit Schlafmangel zu der Zeit noch deutlich schlechter umgehen als ich. Wir hatten es so besprochen, denn die Katzen wollten versorgt werden. Und bis das Baby da ist, ist ja noch nichts Spektakuläres, das er verpassen könnte. Also konnte er guten Gewissens nach Hause fahren.

Ich war dann regelmäßig wieder im Kreißsaal zum CTG, aber es tat sich nicht viel, bis auf dass ich ein relativ stärkeres Ziehen verspürte und beim CTG schreiben angeboten bekommen habe, ein Zäpfchen zu nehmen. Hmm… ich weiß nicht, eigentlich noch auszuhalten, aber wer weiß? Ich lehnte erstmal ab, nahm dann aber nach 3 Stunden doch eins. Immerhin besser als ein Einlauf, dachte ich. Die Hebamme meinte, dann könnte ich etwas schlafen, wenn ich kein Ziehen = Wehen spürte. Aber sie hatte wohl keine Ahnung, wie aufgeregt ich war. Um 1.30 Uhr ging ich dann auf Toilette, weil ich etwas leicht Nasses in der Hose merkte und das zeigte sich dann als ziemlich viel grünes Fruchtwasser. Die Stationsschwester rief im Kreißsaal an und ich sollte runter, damit wir alle sicher gehen können, dass es dem Baby gut geht. Grün = das Baby hatte Stuhlgang und ist aufgeregt. Alles im grünen Bereich auf dem CTG, auch wenn die Wehen schon sichtbar waren. Ich durfte wieder zum Zimmer, sollte schlafen und mich ausruhen und um 6 Uhr wieder runter kommen. Muttermund 3 cm und sie sagten, ich könnte meinem Mann sagen, dass er so um 7.30 Uhr wieder da sein sollte. Ich war pünktlich wieder unten im Kreißsaal, er nicht. Um 8 Uhr fragte ich mal nach und er hatte nach dem Anruf weiter geschlafen und dann dummerweise verschlafen. Die Ruhe ist bewundernswert. Ich war da viel aufgeregter.

Als er dann da war, kam mir Frühstück in den Sinn, weil ich auch wusste, wie lecker das Frühstück da auf Station war. Ich hatte einen Monat vorher schon das Vergnügen, weil Gestose = Schwangerschaftsdiabetes ausgeschlossen werden musste. Ich wollte gerne frühstücken, aber die begleitende Hebamme meinte, das wäre keine gute Idee, weil manchen Frauen unter der Geburt schlecht wird. Ich verstand es zwar nicht, aber es war ja meine erste Geburt, sie musste es also besser wissen. Obwohl ich mich sehr nach dem Frühstück sehnte. . . Dann futterte ich eben salzige Plätzchen in mich rein, bis dass mein Magen etwas gefüllt war.

10 Uhr im Kreißsaal, regelmäßige Wehen, aber auf jeden Fall noch auszuhalten. Ich hatte im Geburtsvorbereitungskurs gelernt, dass Bewegung sinnvoll und förderlich zur Geburt sein könnte. Ich wollte gerne spazieren gehen, aber die Hebamme meinte, dass es jetzt der richtige Zeitpunkt für eine PDA ist. Dann könnte ich mich erholen und Kraft tanken. Hä… ich kann die Schmerzen doch noch aushalten, ich möchte spazieren gehen. „Aber was, wenn ich nachher dann doch nicht aushalte und es dann zu spät ist?“. Also doch lieber jetzt – ich blieb und sie bereitete alles vor für die PDA. Der Anästhesist kam und nachdem ich unterschrieben hatte, ging es los. Bitte jetzt ganz ruhig liegen bleiben, auf die Seite drehen und den Rücken frei machen. Wenn eine Wehe kommt, trotzdem ruhig liegen bleiben und nicht bewegen. Ok, ich hatte keine Ahnung, wie ich das machen sollte, aber wird schon gehen. Er traf offensichtlich ganz genau die richtige Stelle, denn ich spürte dann für eine Stunde ganz und gar nichts und ich fragte nochmal vorsichtig an, ob ich nicht doch spazieren gehen darf. Da stand ja schließlich „Walking PDA“ drauf. Aber die Hebamme hielt es trotzdem für keine gute Idee. Naaaa gut, dann aß ich eben weiter Kekse. 😀

Als dann die Wirkung der PDA wieder nachließ, wurde es richtig heftig und ich beobachte von Wehe zu Wehe die tickende Uhr, denn nach 1 Minute war es geschafft bis zur nächsten Wehe. Keine Ahnung, wie ich das aushalten sollte – ich hangelte mich wirklich von Wehe zu Wehe und atmete so wie ich es gelernt hatte und mir die Hebamme vorsprach. Ich hatte immernoch kein Bedürfnis zu schreien. Aber es war schon extrem.

Na ja, irgendwann ist es bestimmt vorbei – ich beobachtete den Sekundenzeiger, bis dass es wieder vorbei ist. Die Wehe dauerte viel länger als die Pause dazwischen. Mein Mann saß neben mir und fühlte sich irgendwie hilflos, überflüssig und wusste nicht, was er tun sollte. „Immer am Kopf bleiben“, war die Ansage, die er sich von Kollegen und Freunden mit auf den Weg genommen hatte. Das machte er auch und es half mir, seine Hand zu halten und mit ihm zu sprechen, so gut ich konnte.

Irgendwann kam dann eine Ärztin dazu und eine Kinderärztin und die Hebamme war sowieso die ganze Zeit da. Die Hebamme übernahm das Wort und sagte, dass sie gleich da ist und immer wieder sagte sie: „Drücken, drücken, drücken, bisschen noch…. ist die Wehe vorbei, sonst nochmal nachschießen“… „hecheln hecheln hecheln. Wenn die nächste Wehe kommt, nochmal richtig kräftig pressen – dann ist sie gleich da ich sehe die Haare schon.“ Da wurde mein Mann hellhörig: „Haare? Das kann doch nicht sein – schon als Baby mehr Haare als ich?“. …. Noch zu Scherzen aufgelegt, na gut. Ich gab mein Bestes und endlich – das Köpfchen war da… nochmal pressen, und dann der Rest! Ein 50 cm großes, 2895 g leichtes hübsches süßes, weiches Baby-Mädchen war geboren und ich hatte es auf dem Bauch liegen. Mein Mann durfte die Nabelschnur durchtrennen. Wow – wir haben es geschafft! Letzte Wehe für die Nachgeburt und das war schon fast gar nicht mehr spürbar. Die Hormone oder so, keine Ahnung.

Wir mussten noch etwa 4 Stunden unten bleiben im Nachwehenzimmer, bevor wir dann mit dem kleinen großen Wunder auf unser Zimmer kamen. Ich hatte es also wahr gemacht, am nächsten Tag das Baby zur Welt zu bringen, um nicht umziehen zu müssen. Das wäre ja auch wirklich unnötig gewesen. 1 Tag vor Karneval, am 6.2.2013 ist sie also geboren. Sie wollte den Trubel des Karnevals wohl nicht verpassen und ich war irgendwie froh, dass ich es nicht mit dickem Bauch und nicht mit Neugeborenem erleben musste, denn ich blieb noch für 5 Tage im Krankenhaus. Am Weiberfastnacht kamen uns dann doch mit Karnevalsmusik die Roten Funken besuchen und ich hatte ein bisschen Karnevalsstimmung im Zimmer, was mich sehr gefreut hat. Davon gibt es auch ein paar Fotos, wie die Roten Funken rund um das Babybettchen stehen. Einmalig!

3 Tage wären wir regulär geblieben und dann noch wegen erhöhtem Bilirubin-Wert und leichter Gelbfärbung der Haut 2 weitere Tage. Schon nach 3 Tagen ging das Gewicht wieder bergauf, sie stillte gut, obwohl mir die Schwestern auf der Station sagten, dass ich sie mit einem nassen Waschlappen am Fuß wachhalten muss. Es kam mir komisch vor, aber sie werden schon wissen, was sie empfehlen. Das würde ich heute nicht mehr machen, denn ich bin der Meinung, dass sich das Baby holt, was es braucht. Aber damals wusste ich es nicht besser und habe es gemacht. Geschadet hat es ihr glaube ich nicht und ich werfe es mir nicht vor, denn es war ja gut gemeint mit positiver Absicht. Besonders lustig war der Anruf beim Ur-Opa, denn er war gerade in Spanien Karneval feiern und diese Feier wurde dann etwas ausgiebiger, nachdem er erfahren hat, dass er zum ersten Mal Ur-Opa geworden ist. Wir bekamen Besuch von den Patinnen, der Oma, den Großeltern, usw. Es war sehr schön und ich war sehr glücklich und wollte aller Welt vom Wunder erzählen. Mir ging es super und ich hatte viel Energie und wunderte mich immer, dass ich so ein pflegeleichtes Kind habe und andere sich immer über fehlenden Schlaf äußern. Ich konnte schon immer gut mit wenig Schlaf umgehen – und die Hormone taten ihr übriges. 🙂 Rückblickend würde ich das natürlich anders bewerten, aber in der Situation kam es mir echt easy vor. Ach ja – die Hebamme konnte übrigens nicht kommen, weil sie Magen-Darm hatte und ich war dafür dann auch ganz dankbar, dass sie das nicht einschleppte. Als sie dann zum ersten Mal bei uns war, hätte ich sie schon fast nicht mehr gebraucht. Wir sprachen über Stillen, Windelinhalt, den Nabel, das Baden, Wickeln, etc. Aber es ging alles ganz gut und ich hatte auch die Hebammen beim Stilltreff, sodass ich sie dann wirklich nicht mehr brauchte. Trotzdem war es beruhigend, eine Hebamme zu haben und fragen zu können im Fall der Fälle.

Und heute ist dieses große kleine Wunder schon fast so groß wie ich und spielt selbst eine kleine Mama, wenn sie sich um das kleine große Wunder, ihren kleinen Bruder kümmert, der vor 4,5 Monaten geboren ist. Aber das ist eine andere Geschichte. . . später mehr!

Ach ja – die Firmung hat übrigens am Geburtstermin stattgefunden, ich war in Gedanken dabei und meine liebe Firm-Gruppe hat mir sogar eine ganz liebe Glückwunschkarte geschickt, darüber habe ich mich sehr gefreut.

Liebe Grüße

Renate

Ich bin wieder hier

Ihr glaubt gar nicht, wie froh und glücklich ich bin, wieder da zu sein. Danke an meinen Mann, der alle meine verrückten Ideen mitgemacht und umgesetzt hat – Blog ja, äh nein, äh doch, äh Selbstständigkeit, Domain ändern, doch nicht, hü hott. Der Blog stand lange auf seiner To-Do-Liste und die Idee der Endung .koeln kam auch von ihm.

Und danke an Martin Schmidt von Schaukeltierwelt, der mir freundlicherweise die Domain mamis-blog.de freigehalten hat bzw. der sie reserviert hat, nachdem ich mich 2016 entschieden habe, mit dem Bloggen aufzuhören. Jetzt hab ich sie wieder und bin sehr froh darüber, dass ich die Domain übernehmen konnte.

Gerade in diesen Zeiten, wo der persönliche Austausch eingebrochen ist, brauche ich dieses Ventil nach außen. Und es kommt hoffentlich auch was zurück, damit es nicht nur ein Ventil ist, sondern ein echter Austausch. Dafür hilft mir schon die Rückkehr zu Twitter, wo ich herzlich willkommen geheißen wurde und sich sogar noch die Eine oder Andere an mich erinnert hat. Es ist, als wäre ich gar nicht weg gewesen. Ich bereue es nicht, weg gewesen zu sein, sondern freue mich, dass Ihr alle noch da seid.

Was mir fehlt:

  • die Begegnungen und Unterhaltungen morgens am Kindergarten und an der Schule
  • die Umarmungen der Verwandten, die nicht in meinem Haushalt wohnen
  • die Unternehmungen mit meiner Familie ins Schwimmbad, ins Kino, auf Spielplätze
  • eine Spielgruppe mit meinem Baby

Ich weiß, ich kann dankbar sein:

  • wir haben trotz der Situation keine finanziellen Sorgen
  • wir sind gesund
  • wir dürfen rausgehen, wann wir möchten
  • wir haben keine Engpässe an Lebensmitteln und Hygieneartikeln
  • wir haben sauberes Trinkwasser
  • wir können Kleidung tragen, die uns gefällt
  • wir können uns gegenseitig umarmen und sind nicht allein
  • ….

Und dennoch dürfen wir uns beschweren, denn es ist eine harte Zeit, die noch keiner von uns so erlebt hat, der jünger als 66 Jahre ist. Bitte vergesst nie, was ihr habt und trotzdem hört Euch gegenseitig zu, bestärkt Euch, kritisiert Euch nicht, seid füreinander da und helft Euch so gut es geht. Jeder hat sein Päckchen zu tragen – und urteile nicht über Deinen Mitmenschen, wenn Du nicht in seinen Schuhen gelaufen bist. Jeder ist wertvoll und wichtig – manchmal vergesse ich das, und dann lese ich wieder diesen Artikel!

Einfach DANKE, dass wir uns über dieses Internet austauschen können!