Nicht windelfrei

sondern „Elimination communication“ – das englische Wort hört sich irgendwie besser an als Ausscheidungskommunikation.

Nachdem unser Kind 3 geboren ist, habe ich gedacht, jetzt kann ich nochmal das Thema „windelfrei“ in Verbindung mit Stoffwindeln umsetzen. Doch so ganz konnte ich mir das nicht vorstellen, wie das klappen soll – ich hab ja schließlich noch 2 große Kinder und gerade Neugeborene lassen ja oft einfach laufen nach oder während dem Stillen. Wie soll das da klappen mit windelfrei? Das wurde mir nicht ganz klar.

Wir haben also erstmal mit Wegwerfwindeln gewickelt (umwelttechnisch eine Katastrophe für mich) und ich habe mich mit Stoffwindeln beschäftigt und ein Paket gekauft. Aber irgendwie war es doch nicht so wirklich das Richtige, denn ich hatte irgendwie zu wenig davon und es hat mich unter Druck gesetzt, dann so oft waschen zu müssen und das kurz bevor keine mehr da sind, sie aber noch rechtzeitig trocknen und wieder einsatzfähig sind.

Ich hatte aber schon von Anfang an ein gutes Gespür dafür, wann er mal muss und zwar sowohl Pipi als auch Kaka. Ihn über die Toilette abzuhalten war mir zu anstrengend in gebückter Haltung zu stehen oder mich selbst auf den Boden zu knien. Wir hatten den Wickelaufsatz auf der Badewanne, Waschbecken direkt nebenan in angenehmer Höhe. Was könnte also näher liegen als das? Und der reine Muttermilchstuhl kann auch nicht wirklich zu Verstopfungen führen, sodass es kein Problem für das Waschbecken ist. Ich schaffte es auf diesem Wege durch das reine Gespür, ihn häufig abzuhalten. Ich verband es immer mit den Wörtern „Pipi“ und „Kaka“ sowie beim großen Geschäft mit „feste drücken“, weil er es dann irgendwann damit in Verbindung bringt und wenn er sprechen kann, sich selbst mit den gleichen Worten äußert und wir dann entsprechend reagieren können.

Anfangs klappte es nur bei mir, aber inzwischen kann der Papa ihn auch mit den gleichen Worten begleiten. Seit mindestens 4 Monaten ging kein großes Geschäft mehr in die Windel, was dafür sorgt, dass wir viel weniger Windeln benötigen – vielleicht so 2 – 3 pro Tag statt wie sonst vielleicht 8. Selbst bei Pipi klappt es schon oft, dass ich ihn abhalte und er nicht in die Windel macht. Manchmal ist über Nacht die Windel trocken und wartet, bis dass endlich die Windel aus ist. Erstaunlich und ich bin sehr begeistert. Eine Bekannte sagte mir mal, dass kein Baby von Natur aus in die Windel machen möchte. Und sie hat Recht – unser Sohn möchte es nicht, er hat von Anfang an gezeigt, wenn er muss und er fordert das Abhalten ein. Seitdem er Beikost bekommt, ist es natürlich nicht mehr einfach ins Waschbecken sondern wir haben dafür eine Schüssel zweckentfremdet, die wir dann nachher in die Toilette entleeren. Das ist rückenschonender, als ihn über die Toilette zu halten. Und wenn beim Waschbecken mal Pipi daneben geht, muss ich nicht erst – wie bei der Toilette – den Boden wischen, sondern es geht dann schlimmstenfalls ins Waschbecken. Jungs pieseln ja bekanntlich in alle Richtungen, nur nicht geradeaus. 😀 Das kenne ich bisher nicht von meinen beiden Mädels.

Eine lustige Situation möchte ich Euch nicht vorenthalten: der Diakon war hier zum Taufgespräch und unser Sohn hat geschlafen währenddessen. Als der Diakon sich wieder verabschiedete, wurde das Baby wach und der Diakon sagte: „Oh, er ist ja mit seinen 3 Monaten schon ganz aufmerksam“. Und meine Tochter antwortete: „Ja, und er kann sogar schon ins Waschbecken kacken“. Mir war’s etwas peinlich, aber rückblickend betrachtet war es doch zum Lachen.

Fazit: Stoffwindeln sind nix für uns, aber wir sparen durch diese Kommunikation und Erkennen des Bedürfnisses sehr viele Windeln und damit Müll.

Bild von PublicDomainPictures auf Pixabay

Ich kann alle Eltern, die sich dafür interessieren, nur motivieren, den Mut zu haben, es mal auszuprobieren und die Aufmerksamkeit, zu spüren, wann das Baby mal muss. Viel Erfolg dabei.

Liebe Grüße

Renate