Geburt – jetzt aber wirklich die letzte

Letztes Jahr durfte / musste ich dann meine letzte Geburt erleben und während der Schwangerschaft hatte ich ganz unterschiedliche Gedanken.

Ich habe es quasi direkt gemerkt, also wirklich direkt danach, dass da was anders ist, also vor der Einnistung vor der überfälligen Periode. Klingt komisch, ist aber so. Ich hatte es schon zweimal hinter mir, aber nie so sehr gespürt.

Zwei Wochen später hab ich dann einen Test gemacht und er war positiv. Ich hab dann direkt beim Frauenarzt angerufen und mir einen Termin gemacht und mich ehrlich gesagt total gefreut, dass ich nun doch noch ein Kind bekomme. Und mein Gefühl sagte von Anfang an: dieses Mal ist es ein Junge.

Witzigerweise haben sogar meine Mädels von Anfang an gemerkt, dass da irgendwas anders ist mit Mama, denn sie haben auf einmal intuitiv angefangen Baby zu spielen und haben auf dem Spielplatz einem kleinen Jungen das Rutschen beigebracht.

Mein Mann war erst nicht so begeistert, als ich es ihm erzählte, aber kurze Zeit später – als wir das Organisatorische (größeres Auto, Finanzen während der Elternzeit, größeres Haus) geklärt hatten, freute er sich.

Während der Schwangerschaft schwankten meine Gefühle immer wieder von „Hurra, noch einmal schwanger sein“ bis „Oh nein, wie soll ich das schaffen, allen gerecht zu werden?“

Als es dann auf den Geburtstermin zuging, wurde ich ruhiger und wusste, dass es schon irgendwie klappen wird, obwohl ich vor der Geburt schon ziemlich Respekt hatte, weil ich vor allem Angst hatte, dass es vielleicht wieder zu spät für die PDA sein könnte oder – ob ich es überhaupt ins Krankenhaus schaffe. Ich hatte auch schon öfter von der Geburt der Dritten gehört, die ziemlich schnell ging und zu Hause oder auf dem Weg dahin geschah.

Knapp zwei Wochen vor dem errechneten Termin hatte ich ein minimal leichtes Ziehen auf dem Weg zur Schule und zum Kindergarten. Der Mann fragte morgens schon, ob er besser hier bleiben soll, aber man wusste ja nicht, wie lange es dauert und ob es wirklich Anzeichen waren oder Übungswehen. Er fuhr also erstmal los und ich setzte mich auf’s Sofa aber es war irgendwie unangenehmer und nach 2,5 Stunden war für mich absehbar, dass es wohl doch echte Anzeichen sind. Mein Mann wurde dann ziemlich nervös, als ich ihn anrief und meinte, ich soll den Krankenwagen rufen. Aber ich packte dann in Ruhe meine Tasche und ging zum Taxi, das mich ins Krankenhaus brachte. Mein Mann machte sich zeitgleich auf den Weg zum Kindergarten und zur Schule, um die großen Schwestern abzuholen.

Die Schmerzen waren schon etwas heftiger, aber vor dem Fahrer konnte ich es doch ziemlich gut verstecken. Als ich dann ankam, bat ich um etwas gegen Schmerzen und natürlich musste ich erstmal 30 Minuten CTG abwarten. Die Hebamme tastete den Muttermund ab und es waren erst 3 cm. Ich war enttäuscht, weil ich eigentlich dachte, es ist schon weiter und ich muss nicht mehr lange aushalten. So entstand dann im Kopf schon die Befürchtung, dass es sich noch ziehen wird und die Wehen nicht Muttermund öffnend sind. Ich informierte trotzdem, dass ich eine ambulante Geburt plane und nicht über Nacht bleiben möchte. Sie empfohlen mir dann, dass ich noch etwas im Park spazieren gehe, aber eben in der Nähe bleibe. Ich wäre jedoch gerne nach Hause gegangen, weil wir gar nicht weit vom Klinikum weg wohnen. Da ich auch gerne etwas gegen Schmerzen gehabt hätte, empfohlen sie mir zunächst ein Zäpfchen, aber dann gaben sie mir doch etwas über die Vene und ich musste in der Nähe bleiben.

Trotz der geplanten ambulanten Geburt mussten sie mich stationär aufnehmen, weil ich nicht die „ganze Zeit“ im Kreißsaal bleiben kann, sagte sie. Und deshalb musste ich dann erst noch einen Corona-Test machen. Das und die Ultraschall-Untersuchung ließ ich über mich ergehen und ging dann mit meiner Tasche zum Zimmer. Ein sehr freundlicher Pfleger deckte das Bett ab und mir war eher nach Hinlegen als spazieren gehen. Die Wehen waren immer heftiger, aber ich versuchte tapfer zu sein. Der Pfleger schlug vor, noch einmal zu fragen wegen etwas gegen Schmerzen für mich – dann kam aber schon wieder eine Wehe – und ….. patsch! Es fühlte sich auf einmal alles ganz warm um mich herum an und er musste glaube ich nicht mehr fragen wegen Schmerzmittel. Ich sagte ihm, dass es nicht mehr nötig ist und er mich am Besten jetzt mit dem Bett runter zum Kreißsaal bringt. So war es abgesprochen! Es tat mir echt leid um das Bett, in dem ich nicht mal 30 Minuten gelegen hatte. Der Pfleger sagte: „Gar nicht schlimm“ und beruhigte mich dadurch zumindest etwas.

Unten angekommen wieder CTG und Muttermund abtasten, und – hurra – er war fast vollständig geöffnet, aber leider . . . wieder zu spät für PDA. Nun ja, es war absehbar, dass ich es in weniger als 1 Stunde geschafft habe. Also atmen und durch. Über Whatsapp hielt ich meinen Mann auf dem Laufenden, der zwischenzeitlich Mittagessen für die Mädels gemacht hatte und sie informiert hatte. Selbst die Freundin in der Schule fragte direkt, als er den Papa beim Abholen sah: „Kommt das Baby?“ Ich kam mir vor der Hebamme ziemlich wehleidig vor und sagte ihr das auch immer wieder. Ich jammerte gefühlt deutlich mehr als bei der letzten Geburt und es tat auch viel mehr weh. Aber ich denke, das hat auch mit der Situation zu tun, dass ich eigentlich beim letzten Mal wusste, dass es die letzte Geburt ist, aber ich jetzt doch nochmal eine durchstehen musste. Wenn ich jetzt schreibe „Wenn man etwas nicht möchte, dann ist es umso unangenehmer“ dann fühle ich mich gleichzeitig schlecht gegenüber meinem Sohn, dass ich überhaupt diese Gefühle hatte.

Immer wieder sagten mir andere Mamas, der Frauenarzt, die Hebamme, dass spätestens wenn er geboren ist, alle Zweifel vergessen sind und ich mich ganz bestimmt freuen werde. Ich konnte das selbst während den Presswehen noch nicht spüren und nicht glauben, dass es so sein wird. Als die Hebamme dann aber sagte: „Noch einmal, dann ist das Köpfchen da“ und dann ein paar Wehen später nach den Worten „Möchten Sie die Nabelschnur selbst durchschneiden?“ das süße warme Baby auf meiner Brust lag, war ich total glücklich und alle Zweifel waren tatsächlich vergessen.

Mein Baby und ich – ganz alleine. Die Hebamme machte ein Foto, das ich an den Papa schickte und die Mädels haben eine Sprachnachricht aufgenommen und fragten als Erstes: „Ist er hübsch?“ Ich musste schmunzeln, konnte ohne zu zögern mit „Ja“ antworten.

Wir mussten dann noch 4 Stunden bleiben, bis die Geburtsverletzung genäht wurde, wieder unter lokaler Betäubung wie bei der letzten Geburt auch und bis dass er untersucht wurde. Dann hatten wir noch viel Wartezeit bzw. Zeit nur zu zweit, bevor uns der Alltag wieder hat. Papa und die beiden Mädels haben uns abgeholt und ich war echt froh, nach Hause zu können, auch wenn es vielleicht etwas anstrengender ist. In Corona-Zeiten wollte ich nicht länger als nötig im Krankenhaus bleiben. Und Geschwisterbesuch war nicht erlaubt auf der Station, nur der Papa hätte kommen dürfen. Es war mir aber auch wichtig, dass die Schwestern ihren Bruder auch schnell begrüßen können. Also ab nach Hause! Es war alles vorbereitet und ich hatte vor der Geburt einiges vorgekocht und eingefroren, sodass wir damit schon mal nicht viel Aufwand hatten. Und schön war auch, dass das Wochenende noch vor uns lag, sodass die Mädels auch 2 ganze Tage mit ihm genießen konnten, bevor sie wieder in Schule und Kindergarten gingen. Es war also genauso, wie ich mir gewünscht habe. So habe ich dann auch einmal eine ambulante Geburt erlebt – und zwar dieses Mal wirklich die Letzte! 🙂

Liebe Grüße

Renate