Geburt – vor 6 Jahren

Nicht mehr lange – dann hat meine mittlere Tochter Geburtstag, sie wird 6. Wo ist die Zeit geblieben? Sie wird 6, unglaublich.

Vor 6 Jahren war ich in den letzten Zügen der Schwangerschaft. Bis dahin hatte ich ja nur eine Geburt mit Einleitung hinter mir, das heißt, ich wusste gar nicht, wie es ist, wenn es losgeht – so ganz von alleine. Der ausgerechnete Termin war für den 2. Mai.

Da der 1. Mai ein Feiertag und ein Samstag war, sagte der Frauenarzt mir beim letzten Termin donnerstags davor, dass ich freitags auf jeden Fall nochmal in die Geburtsklinik gehen solle zum CTG. Da sich die Großeltern für den 1. Mai angekündigt hatten, habe ich mittags nochmal die ganze Wohnung geputzt und auf Vordermann gebracht. Dann bin ich mit meiner großen Tochter, damals 2 Jahre und 3 Monate, losgefahren, habe sie zur Tagesmutter gebracht mit den Worten „ich hol Dich gleich wieder ab“ und ging dann ins Klinikum zum CTG. Es war heiß, es war voll dort und ich musste ziemlich lange warten. Als ich dann dran war, wurde mir Blutdruck gemessen und dieser war – zu hoch! Ich sagte, dass es ja warm war und kein Wunder, dass der Blutdruck dann hoch ist. Sie haben immer wieder gemessen, aber er ging nicht runter, obwohl sie mich 15 Minuten in einen kühlen Raum legten usw. Wir haben wirklich alles versucht, dass er nicht so hoch angezeigt wird. Dann kam noch der Arzt und schaute nach dem Muttermund: fest geschlossen, keine Anzeichen einer Geburt. Über das Wochenende wird sich da bestimmt nix tun, sagte er. Aber dennoch mussten sie mich stationär aufnehmen wegen dem Blutdruck. Ich erzählte, dass ich meiner Tochter gesagt hatte, dass ich sie wieder abholen werde und auch der Papa noch nicht da ist von der Arbeit, um sie abzuholen. Er stand im Stau. Ich entschied, auf eigene Verantwortung zu gehen, also nur noch die Aufklärung und Unterschrift. Dann kam mein Mann und war richtig sauer, dass ich auf eigene Verantwortung gehen wollte. Ich rechtfertigte, dass wir ja nah am Klinikum wohnen und im Notfall schnell da sind und dass ich meinen Körper gut kenne und schnell merken werde, wenn irgendetwas nicht stimmt. Ich unterschrieb und ging und holte dann die Tochter ab. Als wir nach Hause kamen, aßen wir zu Abend und ich brachte die Große ins Bett. Mein Mann meinte dann: „sollen wir auch ins Bett gehen?“. Ich konnte allerdings nicht liegen, weil da irgendein Ziehen in meinem Unterleib war. Er ging also ins Bett und ich ging spazieren, immer vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer und zurück, so ungefähr 3 Stunden. So um kurz nach Mitternacht meinte mein Mann, dass das jetzt schon ziemlich kurze Abstände sind und wir wohl besser mal fahren. Ich war dagegen, wollte die Tochter nicht wecken und hatte die Worte im Kopf, dass der Arzt meinte, da tut sich jetzt über’s Wochenende bestimmt nix mehr. Also spazierte ich fleißig weiter. Eine Stunde später schaffte ich es aber schon nicht mehr vom Schlafzimmer bis zum Wohnzimmer, sondern machte zwischendurch im Flur eine Atempause. Das war der Zeitpunkt, an dem mein Mann einfach entschied, das Auto zu holen und loszufahren, die Tochter zu wecken und ins Krankenhaus zu fahren. Ich fand das nicht schlecht, denn ich wollte dann auch gerne was gegen Schmerzen haben.

Also holte er die Tochter einfach aus dem Bett, so wie sie da war, setzte sie ins Auto, ich packte die restlichen Sachen zusammen und ging zum Auto. Als wir im Klinikum ankamen, nahm er die Tochter auf den Arm und ich die Tasche. Dummerweise hatte er ihr keine Schuhe angezogen, also musste sie auf den Arm. Die Tagesmutter wohnte auch ganz in der Nähe vom Klinikum, wir hatten ihr dann mal geschrieben, dass wir uns jetzt auf den Weg machten zum Klinikum. Das war um 1 Uhr. Sie hat uns zugesagt, dass wir uns Tag und Nacht melden können, wenn die Geburt losgeht, damit sie dann auf die Große aufpassen kann in der Zeit. Gold wert, wenn man keine Verwandten in der Nähe hat. Dafür sind wir sehr dankbar. Wir nahmen die Tochter aber erstmal mit ins Klinikum, denn ich war immernoch überzeugt, dass sich da noch nicht viel tut, wegen den Worten vom Arzt, dass da über’s Wochenende nix passiert.

Im Kreißsaal angekommen sagte ich: ich möchte jetzt gerne was gegen Schmerzen haben. „Erstmal 30 Minuten CTG“ sagten sie. Ok, dann halt tapfer sein, weiter atmen und schauen. Allerdings hielt ich es dann nicht mehr aus und schickte meinen Mann raus, mir bitte etwas gegen Schmerzen zu besorgen. Die Hebamme kam dann, um nach dem Muttermund zu schauen und fragte meinen Mann dann ziemlich überstürzt, wie lange er braucht, um die Tochter wegzubringen. Ein Glück, dass die Tagesmutter so nah am Klinikum wohnt. Dumm nur, dass die Tochter keine Schuhe an hatte. Also einen kleinen Umweg zu uns nach Hause, die Schuhe zu holen. Dann ging alles ziemlich schnell. Mein Mann war unterwegs und die Hebamme sagte, dass es jetzt leider zu spät ist, um etwas gegen Schmerzen zu bekommen, aber dass es nicht mehr lange dauert.

Sie informierte die Ärzte und die Kinderärztin und beruhigte mich, dass es nicht mehr viele Wehen sind, bis sie da ist. Als mein Mann dann wieder kam, lag das Baby schon auf meinem Bauch. Er staunte nicht schlecht, aber zumindest hatte ich es dann doch schnell überstanden. Ich war also nur insgesamt 25 Minuten im Klinikum für die Geburt.

Gott sei Dank hat mein Mann einfach entschieden, jetzt loszufahren, sonst hätten wir wohl unerwartet eine Hausgeburt gehabt.

Aufgrund der Geburtsverletztung (3. Grades) konnte ich dann leider nicht wie geplant direkt nach Hause, sondern musste 3 bzw. eigentlich 5 Tage bleiben, aber nach 3 Tagen konnte das Antibiotikum von Infusion auf Tabletten umgestellt werden. Die große Tochter und der Papa kamen mich tagsüber immer besuchen und sind nachts nach Hause gefahren. Die Große hat natürlich beim Abschied geweint, was mir das Herz zerbrach, aber die Beiden haben das sehr gut gemeistert.

Sie war eine sehr stolze große Schwester

Ich war sehr froh, dann nach Hause zu kommen. Die Hebamme hätte ich ehrlich gesagt dieses Mal so gar nicht gebraucht, denn wir waren ja schon erfahren und sie hat mir nicht wirklich einen Mehrwert gebracht. So haben wir nett Kaffee zusammen getrunken und uns unterhalten und schon nach wenigen Treffen haben wir uns verabschiedet.

Ich wusste, dass dieses die letzte Geburt war – also konnte ich es auch jetzt abschließen und ich war froh, dass ich solche Schmerzen nie wieder erleben muss. Denn diese Geburt war schon ziemlich schmerzhaft und heftig, denn ich konnte ja dieses Mal kein Schmerzmittel und keine PDA bekommen. . . alles zu spät! 🙂

Fortsetzung folgt. . . denn ich hatte nicht Recht – ich musste das Ganze dann doch noch einmal durchstehen! 🙂

Liebe Grüße

Renate