Geburt vor 8 Jahren

„Wann bist Du denn ausgerechnet?“ wurde ich ständig gefragt und es war genau für Valentinstag, den 14. Februar 2013 errechnet. Bis dahin hatte ich noch eine Menge zu tun – nein, nicht die Tasche packen oder das Babybett aufbauen oder Kleidung kaufen, das war alles fertig. Ich war ehrenamtlich in der Firmvorbereitung mit dabei und genau für den errechneten Geburtstermin war auch der große Tag für „meine Firmlinge“ geplant. Trotzdem ließ ich es mir nicht nehmen, mit richtig großem Bauch bis zur letzten Gelegenheit die Firmvorbereitung mit zu begleiten. Ich finde es bemerkenswert, wenn junge Leute sich freiwillig mit dem Glauben beschäftigen und dann mit einem tiefen und bestärkten JA das bestätigen, das die Eltern in der Taufe begonnen haben. Das hat großen Respekt und bestärkende Begleitung verdient.

Am 5. Februar hatte ich vormittags den regulär anstehenden Termin beim besten Frauenarzt der Welt Uwe Laqua aus Leverkusen. CTG – Ultraschall – alles normal. Allerdings hatte ich etwas Komisches zu berichten, denn am Sonntag vorher (meinem gedanklichen Geburtstermin, der mir immer im Kopf herumgeisterte) waren wir mit Freunden essen, haben geplaudert, gescherzt, dass das Baby hoffentlich nicht im Restaurant zur Welt kommt und hatten einen wunderbaren Abend. Als ich danach nach 4 Stunden (so lange hatte ich es das letzte Mal vor 9 Monaten ausgehalten) auf Toilette ging, dachte ich, ich hätte zu viel gelacht und wäre nicht ganz dicht. Das geschah an den beiden darauf folgenden Tagen immer wieder. Das erzählte ich dann meinem Frauenarzt und sagte, dass ich schon inkontinent bin. Er machte dann einen Test und stellte fest, dass es Fruchtwasser war. Schock! Was heißt das jetzt für mich und mein Baby?

Mit seiner gelassenen Art beruhigte er mich und meinte, dass ich in den nächsten 4 Stunden ins Klinikum gehen solle und dort alles weitere erfolgt, denn die Fruchtblase ist offen und ich verliere Fruchtwasser – das muss kontrolliert werden. Er hat mich nicht beunruhigt, aber ich weinte trotzdem und rief direkt meinen Mann an, dass ich gleich ins Klinikum soll. Er brach also seinen Kundeneinsatz ab, kam nach Hause und wir überlegten, was wir nun noch erledigen müssen. Ich habe dann die übrigen Dinge gepackt und nochmal geduscht – er ist dann (haltet Euch fest!) noch schnell zum Friseur gegangen, denn wir mussten ja erst in 4 Stunden da sein.

Freundlich aufgenommen im Klinikum wurde dann natürlich erstmal wieder CTG geschrieben, Corona-Test gemacht 😀 (nein, natürlich nicht – da war noch alles normal und an so einen Mist nicht zu denken) und wir bekamen einen Schrank zugewiesen, in den wir unsere Tasche einschließen konnten. Es war vor allem mit viel Wartezeit verbunden. Ich bekam um 15 Uhr eine Test-Tablette zur Einleitung, nachdem ich den ganzen Papierkram erledigt habe (Cytotec – ein Mittel zur Anregung der Darmtätigkeit erzielt gute Erfolge bei der Einleitung einer Geburt, wurde mir gesagt. Ich unterschrieb – ich hatte großes Vertrauen auf die Kompetenz und fühlte mich gut aufgehoben). Nach der Test-Tablette nach 1, 2 und 4 Stunden CTG – kein Unterschied. Also bekamen wir unser Zimmer, denn wir hatten ein Familienzimmer angemeldet ab Geburt. Diese Information war nur irgendwie bei der Stationsschwester nicht angekommen, denn wir bekamen ab sofort ein Familienzimmer. Die Pflegerin erklärte mir, dass das allerdings bei Einleitung dauern kann bis zur Geburt, aber sie hatte auch keine Lust, mich am Abend um 20 Uhr nochmal umzuziehen und so sagte Sie: „Dann müssen Sie morgen Ihr Kind bekommen, sonst ziehen Sie noch um“. Ich meinte, dass ich das hinkriege ohne zu wissen, was auf mich zukommt. Abendessen war auf Station schon durch, also gingen wir Pizza essen, denn das Bistro im Krankenhaus war wegen Überfüllung geschlossen – da war eine bekannte Leverkusener Großfamilie und machte sich breit, sodass alle Türen verschlossen wurden, da sie unberechenbar sind.

Nach unserer Rückkehr wieder CTG, alles unverändert und die liebe Hebamme sagte, dass heute nichts mehr passiert, weil es Nacht ist und ich lieber schlafen soll. Äh, wie bitte? Schlafen? Wenn ich weiß, dass ich morgen eingeleitet werden soll? Da kennt sie mich schlecht und ich widerspreche. Schlafen kann ich doch eh nicht, also können wir nicht jetzt die nächste Tablette zur Einleitung nehmen? Dann geht es wenigstens weiter und ich halte mein Baby schneller in den Armen.

Ich habe im Kreißsaal immer wieder Frauen richtig schreien hören und dachte bei mir: „Wie schlimm müssen die Schmerzen sein, bis dass ich schreie? Ich kann Schmerzen eigentlich gut aushalten und bin bekannt dafür, es pragmatisch und zielorientiert über mich ergehen zu lassen. Wird schon klappen“ Erst später erfuhr ich, dass manche umso mehr Geschenke bekommen, je lauter sie die Angehörigen schreien hören. Das erklärt einiges und ich hatte noch mehr Gelassenheit, denn übertreiben würde ich auf keinen Fall.

Die Hebamme willigte also ein und ich bekam um 22 Uhr die erste richtige Dosis Cytotec und mein Mann verabschiedete sich nach Hause. Er konnte mit Schlafmangel zu der Zeit noch deutlich schlechter umgehen als ich. Wir hatten es so besprochen, denn die Katzen wollten versorgt werden. Und bis das Baby da ist, ist ja noch nichts Spektakuläres, das er verpassen könnte. Also konnte er guten Gewissens nach Hause fahren.

Ich war dann regelmäßig wieder im Kreißsaal zum CTG, aber es tat sich nicht viel, bis auf dass ich ein relativ stärkeres Ziehen verspürte und beim CTG schreiben angeboten bekommen habe, ein Zäpfchen zu nehmen. Hmm… ich weiß nicht, eigentlich noch auszuhalten, aber wer weiß? Ich lehnte erstmal ab, nahm dann aber nach 3 Stunden doch eins. Immerhin besser als ein Einlauf, dachte ich. Die Hebamme meinte, dann könnte ich etwas schlafen, wenn ich kein Ziehen = Wehen spürte. Aber sie hatte wohl keine Ahnung, wie aufgeregt ich war. Um 1.30 Uhr ging ich dann auf Toilette, weil ich etwas leicht Nasses in der Hose merkte und das zeigte sich dann als ziemlich viel grünes Fruchtwasser. Die Stationsschwester rief im Kreißsaal an und ich sollte runter, damit wir alle sicher gehen können, dass es dem Baby gut geht. Grün = das Baby hatte Stuhlgang und ist aufgeregt. Alles im grünen Bereich auf dem CTG, auch wenn die Wehen schon sichtbar waren. Ich durfte wieder zum Zimmer, sollte schlafen und mich ausruhen und um 6 Uhr wieder runter kommen. Muttermund 3 cm und sie sagten, ich könnte meinem Mann sagen, dass er so um 7.30 Uhr wieder da sein sollte. Ich war pünktlich wieder unten im Kreißsaal, er nicht. Um 8 Uhr fragte ich mal nach und er hatte nach dem Anruf weiter geschlafen und dann dummerweise verschlafen. Die Ruhe ist bewundernswert. Ich war da viel aufgeregter.

Als er dann da war, kam mir Frühstück in den Sinn, weil ich auch wusste, wie lecker das Frühstück da auf Station war. Ich hatte einen Monat vorher schon das Vergnügen, weil Gestose = Schwangerschaftsdiabetes ausgeschlossen werden musste. Ich wollte gerne frühstücken, aber die begleitende Hebamme meinte, das wäre keine gute Idee, weil manchen Frauen unter der Geburt schlecht wird. Ich verstand es zwar nicht, aber es war ja meine erste Geburt, sie musste es also besser wissen. Obwohl ich mich sehr nach dem Frühstück sehnte. . . Dann futterte ich eben salzige Plätzchen in mich rein, bis dass mein Magen etwas gefüllt war.

10 Uhr im Kreißsaal, regelmäßige Wehen, aber auf jeden Fall noch auszuhalten. Ich hatte im Geburtsvorbereitungskurs gelernt, dass Bewegung sinnvoll und förderlich zur Geburt sein könnte. Ich wollte gerne spazieren gehen, aber die Hebamme meinte, dass es jetzt der richtige Zeitpunkt für eine PDA ist. Dann könnte ich mich erholen und Kraft tanken. Hä… ich kann die Schmerzen doch noch aushalten, ich möchte spazieren gehen. „Aber was, wenn ich nachher dann doch nicht aushalte und es dann zu spät ist?“. Also doch lieber jetzt – ich blieb und sie bereitete alles vor für die PDA. Der Anästhesist kam und nachdem ich unterschrieben hatte, ging es los. Bitte jetzt ganz ruhig liegen bleiben, auf die Seite drehen und den Rücken frei machen. Wenn eine Wehe kommt, trotzdem ruhig liegen bleiben und nicht bewegen. Ok, ich hatte keine Ahnung, wie ich das machen sollte, aber wird schon gehen. Er traf offensichtlich ganz genau die richtige Stelle, denn ich spürte dann für eine Stunde ganz und gar nichts und ich fragte nochmal vorsichtig an, ob ich nicht doch spazieren gehen darf. Da stand ja schließlich „Walking PDA“ drauf. Aber die Hebamme hielt es trotzdem für keine gute Idee. Naaaa gut, dann aß ich eben weiter Kekse. 😀

Als dann die Wirkung der PDA wieder nachließ, wurde es richtig heftig und ich beobachte von Wehe zu Wehe die tickende Uhr, denn nach 1 Minute war es geschafft bis zur nächsten Wehe. Keine Ahnung, wie ich das aushalten sollte – ich hangelte mich wirklich von Wehe zu Wehe und atmete so wie ich es gelernt hatte und mir die Hebamme vorsprach. Ich hatte immernoch kein Bedürfnis zu schreien. Aber es war schon extrem.

Na ja, irgendwann ist es bestimmt vorbei – ich beobachtete den Sekundenzeiger, bis dass es wieder vorbei ist. Die Wehe dauerte viel länger als die Pause dazwischen. Mein Mann saß neben mir und fühlte sich irgendwie hilflos, überflüssig und wusste nicht, was er tun sollte. „Immer am Kopf bleiben“, war die Ansage, die er sich von Kollegen und Freunden mit auf den Weg genommen hatte. Das machte er auch und es half mir, seine Hand zu halten und mit ihm zu sprechen, so gut ich konnte.

Irgendwann kam dann eine Ärztin dazu und eine Kinderärztin und die Hebamme war sowieso die ganze Zeit da. Die Hebamme übernahm das Wort und sagte, dass sie gleich da ist und immer wieder sagte sie: „Drücken, drücken, drücken, bisschen noch…. ist die Wehe vorbei, sonst nochmal nachschießen“… „hecheln hecheln hecheln. Wenn die nächste Wehe kommt, nochmal richtig kräftig pressen – dann ist sie gleich da ich sehe die Haare schon.“ Da wurde mein Mann hellhörig: „Haare? Das kann doch nicht sein – schon als Baby mehr Haare als ich?“. …. Noch zu Scherzen aufgelegt, na gut. Ich gab mein Bestes und endlich – das Köpfchen war da… nochmal pressen, und dann der Rest! Ein 50 cm großes, 2895 g leichtes hübsches süßes, weiches Baby-Mädchen war geboren und ich hatte es auf dem Bauch liegen. Mein Mann durfte die Nabelschnur durchtrennen. Wow – wir haben es geschafft! Letzte Wehe für die Nachgeburt und das war schon fast gar nicht mehr spürbar. Die Hormone oder so, keine Ahnung.

Wir mussten noch etwa 4 Stunden unten bleiben im Nachwehenzimmer, bevor wir dann mit dem kleinen großen Wunder auf unser Zimmer kamen. Ich hatte es also wahr gemacht, am nächsten Tag das Baby zur Welt zu bringen, um nicht umziehen zu müssen. Das wäre ja auch wirklich unnötig gewesen. 1 Tag vor Karneval, am 6.2.2013 ist sie also geboren. Sie wollte den Trubel des Karnevals wohl nicht verpassen und ich war irgendwie froh, dass ich es nicht mit dickem Bauch und nicht mit Neugeborenem erleben musste, denn ich blieb noch für 5 Tage im Krankenhaus. Am Weiberfastnacht kamen uns dann doch mit Karnevalsmusik die Roten Funken besuchen und ich hatte ein bisschen Karnevalsstimmung im Zimmer, was mich sehr gefreut hat. Davon gibt es auch ein paar Fotos, wie die Roten Funken rund um das Babybettchen stehen. Einmalig!

3 Tage wären wir regulär geblieben und dann noch wegen erhöhtem Bilirubin-Wert und leichter Gelbfärbung der Haut 2 weitere Tage. Schon nach 3 Tagen ging das Gewicht wieder bergauf, sie stillte gut, obwohl mir die Schwestern auf der Station sagten, dass ich sie mit einem nassen Waschlappen am Fuß wachhalten muss. Es kam mir komisch vor, aber sie werden schon wissen, was sie empfehlen. Das würde ich heute nicht mehr machen, denn ich bin der Meinung, dass sich das Baby holt, was es braucht. Aber damals wusste ich es nicht besser und habe es gemacht. Geschadet hat es ihr glaube ich nicht und ich werfe es mir nicht vor, denn es war ja gut gemeint mit positiver Absicht. Besonders lustig war der Anruf beim Ur-Opa, denn er war gerade in Spanien Karneval feiern und diese Feier wurde dann etwas ausgiebiger, nachdem er erfahren hat, dass er zum ersten Mal Ur-Opa geworden ist. Wir bekamen Besuch von den Patinnen, der Oma, den Großeltern, usw. Es war sehr schön und ich war sehr glücklich und wollte aller Welt vom Wunder erzählen. Mir ging es super und ich hatte viel Energie und wunderte mich immer, dass ich so ein pflegeleichtes Kind habe und andere sich immer über fehlenden Schlaf äußern. Ich konnte schon immer gut mit wenig Schlaf umgehen – und die Hormone taten ihr übriges. 🙂 Rückblickend würde ich das natürlich anders bewerten, aber in der Situation kam es mir echt easy vor. Ach ja – die Hebamme konnte übrigens nicht kommen, weil sie Magen-Darm hatte und ich war dafür dann auch ganz dankbar, dass sie das nicht einschleppte. Als sie dann zum ersten Mal bei uns war, hätte ich sie schon fast nicht mehr gebraucht. Wir sprachen über Stillen, Windelinhalt, den Nabel, das Baden, Wickeln, etc. Aber es ging alles ganz gut und ich hatte auch die Hebammen beim Stilltreff, sodass ich sie dann wirklich nicht mehr brauchte. Trotzdem war es beruhigend, eine Hebamme zu haben und fragen zu können im Fall der Fälle.

Und heute ist dieses große kleine Wunder schon fast so groß wie ich und spielt selbst eine kleine Mama, wenn sie sich um das kleine große Wunder, ihren kleinen Bruder kümmert, der vor 4,5 Monaten geboren ist. Aber das ist eine andere Geschichte. . . später mehr!

Ach ja – die Firmung hat übrigens am Geburtstermin stattgefunden, ich war in Gedanken dabei und meine liebe Firm-Gruppe hat mir sogar eine ganz liebe Glückwunschkarte geschickt, darüber habe ich mich sehr gefreut.

Liebe Grüße

Renate

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